Was die Donut Economy und die Planetary Health Diet eint

19.10.2023 | Gut zu wissen, Trends

Gut für die Menschen, gut für die Welt – dieses Leitmotiv eint zwei Konzepte, die eigentlich aus ganz unterschiedlichen Ecken kommen. Denn die „Donut Economy“ beschreibt ein nachhaltiges und suffizientes Wirtschaftsmodell, und die „Planetary Health Diet“? Auch, nur eben für den Bereich der Ernährung. Warum es Sinn macht, sie zusammen zu denken – ein Vorschlag.

Es ist bekannt: Eine rein auf entgrenzten Konsum und die stetige Befriedigung individueller Bedürfnisse hin ausgerichtete Wirtschaft – lange Zeit galt sie in der Wissenschaft als das Nonplusultra – gefährdet unsere Lebensgrundlagen. Denn das Wachstum, das auf Ausbeutung fossiler Energien fußt, hat uns schon jetzt in die Klimakrise geführt. Wie kann eine Wirtschaft aussehen, die weder zu wenig auf individueller Ebene noch zu viel auf globaler produziert? Die dafür sorgt, dass die Menschen hinreichend versorgt sind, aber der Planet mit seinen indiskutablen Grenzen, die jedoch – siehe Earth Overshoot Day – regelmäßig überschritten werden, nicht zu einem langfristig unbewohnbaren wird, weil alles zerstört wird?

Der Donut-Ring

Eine plausible Antwort hat die Ökonomin Kate Raworth mit ihrem Modell der „Donut-Ökonomie“ entwickelt: Ihr Bereich optimaler Wirtschaft ist ein Ring – ein Donut ist ja ein dicker Ring – der nach außen durch eine ökologische Obergrenze beschränkt wird. Wird mehr produziert/konsumiert/emittiert, gehen damit z.B. Luftverschmutzung, Klimaveränderung durch CO2-Emission oder auch der Verlust an Biodiversität einher. Es darf also nicht über die Grenzen hinaus gehen – in der Realität muss diese Grenze freilich durch Zahlen, Oberwerte etc. konkretisiert werden, die nun aber hinreichend vorliegen. Wird hingegen zu wenig produziert bzw. auch alloziiert, also verteilt, dann entstehen im inneren Ring, der die gesellschaftliche Grundlage bzw. die Bedingungen für ein gutes Zusammenleben definiert, Defizite: Hunger, Nöte, Krisen, Kriege.


Der durch planetare Ober- und soziale Untergrenzen definierte Donut nach Kate Raworth

Es geht darum, immer wieder den „sweet spot“ zu finden

Wir benötigen demzufolge also ein Wirtschaften, das nach „innen“ für Energiesicherheit, Wasserversorgung oder Nahrungsmittel sorgt und somit die existenziellen Grundlagen für Bildung, Frieden, Gerechtigkeit oder andere Werte schafft. Man könnte auch sagen: Man benötigt einen gewissen Wohlstand. Jedoch keinen, siehe Außengrenze, der sich durch immer mehr Konsum und Co. ins Gegenteil wendet. Immer größere Autos, Häuser, Reisetätigkeit, was auch immer, scheinbare Wohlstandszuwächse, stellen eine Bedrohung dar – denn sie bringen „negative externe Effekte“ mit sich, wie die Wirtschaftswissenschaft es nennt. Es geht vereinfacht gesagt darum, den „sweet spot“ zu finden, bzw. einen Weg, dauerhaft auf dem „Donut“ zu bleiben und weder in sein Loch zu fallen noch über den Rand zu stolpern. In der Praxis eine Herkulesaufgabe, aber: Das Modell bietet eine gute Orientierung und ist zukunftsfähiger als herkömmliche volkswirtschaftliche Modelle der Güterproduktion.

Gesund für den Menschen und den Planeten

Ganz ähnlich verhält es sich mit der „Planetary Health Diet“ (PHD): Auch sie hat eine Ober- und eine Untergrenze beziehungsweise nimmt, und das ist anders als bei Diäten/Ernährungsweisen herkömmlicher Art, auch die (globale) Nachhaltigkeit in den Blick. Man denke an die klassische Ernährungspyramide: Sie zielt nur auf den eigenen Körper und dessen Gesundheit ab. Die PHD hingegen, die von der renommierten EAT-Lancet Commission entwickelt wurde, versteht unter einer ausgewogenen Ernährung eine Balance zwischen sowohl individueller als auch globaler Gesundheit. Bekanntermaßen wird längst nicht jedes für den einzelnen Menschen gesunde Lebensmittel auch „planetengesund“ erzeugt, sondern benötigt möglicherweise viele Ressourcen, hat lange Transportwege hinter sich oder kann gar nur auf eine Weise marktfähig angeboten werden, unter der andere Menschen – wie die Erzeuger selbst – leiden.

Also: Muss es unbedingt Quinoa oder die Goji-Beere sein, oder gehen auch Hafer/Hirse und Sanddorn? Eine Empfehlung, ja Forderung, die sich aus der PHD ableitet, ist den globalen Fleischkonsum zu halbieren. Nachvollziehbar sowohl aus persönlicher wie planetarer Perspektive: Weniger Fleisch ist für den Menschen gesünder und senkt die klimaschädlichen Emissionen deutlich. In der PHD werden zum Beispiel aber auch Hülsenfrüchte oder Nüsse als eigene Kategorie ausgewiesen, ebenso gibt es eine eigene Kategorie „stärkehaltiges Gemüse“, während diese sonst oft in einer Kategorie zusammengefasst sind und deshalb detaillierte Benefits nicht beschrieben werden. Beispiel Hülsenfrüchte: Der pflanzliche Proteinlieferant ist eine gesunde Alternative zu Fleisch und ein echter Umweltschützer, weil er wenig Wasser benötigt, Stickstoff speichert (wenig Düngung benötigt) und jede Menge Energie liefert. Im Sinne der „Donut-Ökonomie“ sind Leguminosen also Werkstoffe bzw. Produktionsmittel, mit denen sich Nahrung herstellen lässt, die uns auf dem Donut hält. Sie halten uns im „sweet spot“.

Die PHD ist die Donut-Ökonomie für Food

Man sieht: Die beiden Modelle denken in die selbe Richtung. Man könnte auch sagen: Die „Planetary Health Diet“ ist die Donut Economy für Food. Nur eines lässt das Bild etwas schief hängen, nämlich dass dann ausgerechnet ein nicht wirklich gesundes, wenngleich ziemlich leckeres (nicht wahr, Homer?) Gebäck wie der Donut als Sinnbild für (planeten)gesunde Ernährung stünde. Vielleicht lieber Vollkornbagel-Economy;)

Text: Jan-Peter Wulf; Fotos: Unsplash, Wikipedia

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