Kaffeetrinken 2017: Adieu To-Go-Pappe, in diesen Städten gibt’s schon Pfand!

09.01.2017 | Beispielhaft, Trends

Sie sind der Inbegriff verschwenderischen Großstadt-Lifestyles: To-Go-Becher, gefüllt mit Kaffee, Tee oder einem White Moccachino mit Vanilletopping und Mandelsirup. Aber die Mehrweg-Lösung kommt: Wiederverwendbare (Pfand-)Becher gibt es mittlerweile in Berlin und Hamburg, aber auch in kleineren Städten wie Freiburg und Rosenheim. Verhelfen wir den oftmals erst in diesem Jahr gestarteten Projekten einen Schub und verbannen den geschmacklich fragwürdigen Papp-Kaffee aus unserer alltäglichen Konsumroutine. Ein Vorsatz fürs neue Jahr, der sich mancherorts schon ganz leicht umsetzen lässt.

Wenn aus dem größten Müllberg Kaffee tropft

Im Müllaufkommen des Einzelnen wirkt so ein To-Go-Pappbecher nicht gewichtig. „Ist ja höchstens einer pro Tag, in seltenen Fällen zwei – und immer auch nur Größe S“, denkste. Verlässt man allerdings die eigene Kaffeetrinker-Perspektive und blickt auf die To-Go-Mentalitäten deutscher Kaffeetrinker insgesamt, sieht die Sache anders aus. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden deutschlandweit 90 To-Go-Becher pro Sekunde verbraucht, mal aus Pappe, mal aus Plastik, mal doppelwandig, mal mit Biokunststoff ausgekleidet. An Varianten mangelt es ja nicht, am Gesamtproblem ändert die Wahl des Modells aber nichts: Rechnet man hoch, liegt der Verbrauch bei rund 320.000 Bechern in der Stunde und bei fast drei Milliarden Bechern pro Jahr. Allein in Berlin wandern pro Tag fast eine halbe Million Kaffeebehältnisse der Gattung Einweg über die Theken und anschließend – hoffentlich – in den Müll. Den zu entsorgen, ist nicht das einzige Problem. Die Herstellung verbraucht Holz, Rohöl und verursacht ordentlich CO2-Emissionen. Kurzum: Der To-Go-Einwegbecher gehört zu den Todfeinden der Nachhaltigkeit im täglichen Konsumalltag und ist Abfallverursacher Nummer eins. Tun wir was dagegen!

Die neuen Pfandsysteme

Was dagegen tun, das wollen auch unterschiedliche Initiativen in mehreren Städten in Deutschland. Wir liefern an dieser Stelle den Überblick. Um Ihnen, liebe Gastronomen, die Chance zur Teilnahme zu eröffnen, und um Ihnen, liebe To-Go-Konsumenten, die Chance zur nachhaltigeren Einnahme der täglichen Dosis Koffein zu geben.

Berlin:

Einfach tauschen, Just swap it!, heißt es seit kurzem in zahlreichen Cafés der Berliner Bezirke Kreuzberg und Neukölln, vereinzelt auch schon Friedrichshain und Karlshorst. Ulrike Gottschau und Clemens Pech heißen die Initiatoren, deren Becher für einen Pfand von vier Euro das Einwegpendant ersetzt. Zwei Größen gibt es bereits, 180ml und 280ml, eine dritte Größe für Smoothies oder Tee ist ein Planung. Der Becher ist spülmaschinenfest, besteht aus Bambus, Mais und Kunstharz und wird mit einem Silikondeckel verschlossen.

justswapit becher
Just swap it-Pfandbecher (Foto: Just swap it)

Mehr Infos direkt bei Just swap it.

Hamburg:

„Refill it“ heißt das Pfandbechersystem der größten deutschen Hansestadt. Intiiert wurde es vom Kaffeehändler El Rojito, 13 Cafés, hauptsächlich in den Gegenden Sternschanze, Caroviertel und in Altona, machen mittlerweile mit. Der Pfand liegt bei 1,50€, der 400 ml Tree-Cup ist zu 100% Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und überlebt mindestens 75 Gänge in der Spülmaschine.

Becher refill it
Refill it Pfandbecher (Foto: Julie Nagel)

Mehr Infos direkt bei El Rojito.

Freiburg:

Den Becher ziert die in Grüntönen angelegte Skyline, „FreiburgCup“ heißt die Pfandlösung der Stadt im Breisgau. Und die kommt direkt aus dem Bürgerhaus, Stadt und Abfallwirtschaft ASF wollen das Müllaufkommen der in „Green City“ verringern. Für einen Euro Pfand gibt es den FreiburgCup, 400 Mal benutzt und gespült werden kann.

Eine Liste teilnehmender Cafés gibt’s bei der Badischen Zeitung

Rosenheim:

Florian Pachaly und Fabian Eckert haben sich über „Coffee to go again“ kenngelernt, eine Initiative der Münchner Studentin Julia Post und in Rosenheim den reCup etabliert. Den in zwei Größen (250ml, 400ml) angebotenen Becher aus Polypropylen gibt es in zahlreichen Cafés für einen Euro Pfand. reCup hat nicht nur den universellsten Namen, die beiden Macher haben größeres im Sinn, ein flächendeckendes Pfandsystem über Rosenheims Stadtgrenzen hinaus.

Weitere Infos gibt’s direkt bei reCup.

Mehrweg: die dezentralisierte Lösung

Auch anderenorts gibt’s Initiativen, die an der Vermeidung von Pappbecher-Müll arbeiten. In München hat Julia Post, wie bereits erwähnt, die Aktion „Coffee to go again“ ins Leben gerufen, in Tübingen kämpft man unter dem Namen „tü-go – Besser Bechern“ für weniger Müll der Sorte Kaffeebecher.

Die eigene Stadt nicht dabei?

Das Kaffeebecher-Pfandsystem steckt noch in den Kinderschuhen, so viel ist klar. 2017 wird sich diese Liste verlängern, wir bleiben am Ball und werden berichten. Was jeder sofort tun kann, ganz ohne Pfandsystem: Das Lieblings-Kaffeehaus davon überzeugen, auch den mitgebrachten Thermobecher wieder aufzufüllen und die Barista im gleichen Atemzug mit den Pfandsystemen und Initiativen wie „Coffee to go again“ vertraut machen.

Keine To-Go-Pappbecher mehr, das ist doch mal ein guter Vorsatz fürs neue Jahr.

(Titelfoto: pixabay.com)

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