Europas nachhaltige Restaurants: Four Elements Hotel & Herbs Garden Restaurant, Amsterdam

06.11.2021 | Beispielhaft, Gastro

Man kann diskutieren, ob es Restaurants einfacher haben, sich auf Nachhaltigkeit zu fokussieren, als Hotels. Womöglich kommt es gar nicht so sehr auf die Branche an als vielmehr auf die Größe des Unternehmens und auf den Willen der handelnden Personen. Im Falle des Four Elements in Amsterdam wurde schon lange vor der Eröffnung das Thema Nachhaltigkeit reflektiert.

Das Hotel in IJburg, einem der neuen Stadtteile von Amsterdam, ist CO2-neutral erbaut worden, setzt auf Solarenergie, hat schon bei der Einrichtung der Zimmer auf Materialien geachtet, die ökologisch unbedenklich sind. Recycling ist hier Grundprinzip – man merkte es kaum, wüsste man es nicht –, und der Wasserverbrauch wird mittels klugen Gadgets und sanfter Überredung minimiert. Das Ganze wirkt allerdings nicht aufdringlich belehrend, sondern sehr einladend, und an Komfort fehlt es auch nicht. Mindestens die Suiten etwa weisen klaren Vier-Sterne-Standard auf – und alle Zimmer verfügen nicht nur über Ruhe, sondern auch über bemerkenswerten Ausblick. Das Grundprinzip ist, dass der Service zwar zur Verfügung steht, aber nur dann agiert, wenn es der Gast ausdrücklich wünscht – etwa beim Wechsel der Handtücher oder der Bettwäsche.

Neue Wege geht auch die Gastronomie, die maßgeblich von Ex-Küchenchef Herb van Drongelen entworfen wurde. Heute sind Chefköchin Marisol Capozzi, Food-and-Beverage-Managerin Erna Verhoef und Sommelier Nico McGough zuständig für das Restaurant Herbs Garden. Nachhaltig geht es hier zu – vom Frühstück bis zum Abendessen. Praktisch alles, was auf der Speisekarte steht, stammt aus den Niederlanden, wird oft unmittelbar vor Ort eingekauft. Brot, Butter, Konfitüre und Eier am Morgen, Krabbenkroketten oder das Rindfleisch für den Beef Burger am Mittag, frische Tomaten, Pommes frites aus heimischen Kartoffeln und Fisch aus der Nordsee am Abend. Nachhaltig bedeutet in diesem Falle allerdings auch, dass die Speisekarte klein ist. Statt drei oder vier Sorten Fisch gibt es dann halt nur Seezunge, statt zahlreicher Fleischgerichte vielleicht bloß Entrecôte. Das muss reichen, und das reicht auch, weil die Auswahl häufig wechselt und man der Küche im wahrsten Sinne auf die Finger schauen kann. Wer hier einkehrt, erwartet wohl nur im seltensten Falle eine vielseitige Speisekarte, ist bereits sensibilisiert. Ungewöhnlich hoch im Four Elements ist der hohe Anteil an veganen und vegetarischen Gerichten: Wie könnte es anders sein?

Nachhaltigkeit bedeutet im Falle der Weinkarte übrigens: Bio ist die Mindestanforderung, allerdings finden sich auch biodynamisch arbeitende Erzeuger und Weine mit niedrigem Schwefelgehalt im Programm. Was sich nicht findet, ist eine endlose Auswahl, ein wohlgefüllter Keller. Gastrokritiker würden vielleicht die geringe Menge an Sorten beklagen und vorschlagen, dass noch ein paar sehr gute Flaschen eingelagert würden. Aber solche Wünsche lassen sich nach der Pandemie ja gewiss erfüllen, ohne das Grundprinzip Nachhaltigkeit aufzugeben.

Four Elements Hotel Amsterdam, Bert Haanstrakade 1074, 1087 HJ, Amsterdam, Niederlande, Tel. +3120 714 20 40, fourelementshotel.com

Text: Wolfgang Faßbender, Foto: Four Elements Hotel Amsterdam

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