Mit essbarem Besteck gegen Plastik

25.01.2021 | Gastro, Trends

Nicht erst mit der neuen EU-Verordnung sollten Gastronomen ihr Take-away-Angebot auf Plastikalternativen umstellen. Verschiedene Start-ups haben Besteck entwickelt, das sogar gegessen werden kann.

Allein das Abfallvolumen an Einwegbesteck lag im Jahr 2017 in Deutschland bei insgesamt 8,56 Tonnen. Mithilfe einer Verordnung der Europäischen Union soll ab 2021 Wegwerfplastik generell vom Markt verschwinden. Zusätzlich will das Bundesministerium für Umwelt mit einem Verbot, das am 3. Juli 2021 in Kraft tritt, dem Einwegplastik ein Ende setzen. Daher lohnt sich für Gastronomen ein Blick auf mögliche Alternativen. Ein nachhaltiges Zeichen können Gastronomen schon jetzt mit der Einführung von plastikfreiem Besteck. Das kann zu erhöhter Kundenbindung führen und zugleich die Kosten bei der Müllentsorgung, der kommunalen Einwegverpackungssteuer und beim Abspülen reduzieren. Denn schon seit einiger Zeit bemühen sich meist junge Unternehmer darum, innovative Lösungen gegen die Plastikflut zu finden. Fast zeitgleich sind drei Anbieter an den Start gegangen, die Esslöffel, Eislöffel und bald auch Pommesgabeln sowie Messer und Gabeln aus essbaren Getreidevarianten entwickelt haben.

EATlery


Aus nahrhaften Zutaten: Essbare Löffel von EATlery

Noch während  ihres Masterstudiums an der SRH Hochschule Heidelberg haben Phanindra Gopala Krishna und Abhinan Ramachandran das Start-up Frenvi – ein Wortspiel aus „friendly“ und „environment“ – gegründet. Unter der Marke EATlery© werden sie in diesem Jahr mehrere essbare Besteckvarianten aus Getreide auf den Markt bringen. Die Verordnung der EU hat sie unter anderem zu ihrem Unternehmen bewogen. „Wir wollten ein Produkt entwickeln, das eine Null-Müll-Bilanz aufweist“, sagt der 30-jährige Phanindra. Gleichzeitig sollte das Besteck auch preislich eine echte Alternative zu Holz darstellen. FRENVI verwendet bei der Herstellung ausschließlich natürliche, nachwachsende Rohstoffe mit einem ausgewogenen Getreide-Mix. Das Rezept haben sich die Gründer patentieren lassen. Sollte der Gast den Keks-Löffel doch nicht wegknabbern wollen, kann er in den Biomüll, wo er sich innerhalb von 25-30 Tagen selbst kompostiert. Ihren essbaren Löffel, der vegan und recht nahrhaft ist mit 390 kcal je 100 Gramm, wird es in einer süßen und einer feinwürzigen Variante geben. Einen Spork – eine Mischung aus Gabel und Löffel – gibt es dann ebenfalls mit würzigem Geschmack. Das essbare Besteck hält in heißen Gerichten mindestens 15 bis 20 Minuten, in warmen Gerichten 40 bis 50 Minuten und in kalten Speisen bis zu 60 Minuten. An die Plastikalternativen haben sie in der Entwicklung maßgebliche Kriterien gesetzt. „Aber auch der nachhaltige Wirtschaftskreislauf, der von der Beschaffung, über Produktion, Distribution sowie Produkt und Verpackung im Einklang miteinander sein muss“, sagt Phanindra. Geliefert wird über ausgewählte Großhändler mit denen derzeit noch Gespräche laufen. „Anfragen müssen erstmal an uns per Mail gehen und wir schicken dann Produkt- und Preislisten. Gerne verschicken wir auch Probesets.“
www.eatlery.de

Kulero


Die Kulero „Ess-Löffel“ gibt es in 6 Geschmacksrichtungen

Auf einem Festivalbesuch in Indien kam dem Gründer Hemant Chawla und seinem Cousin die Idee, Besteck aus Brot herzustellen, dass keinen Müll hinterlässt. Bereits Ende 2017 kamen die ersten industriell gefertigten Löffel auf den indischen Markt. 2019 wurde die Kulero GmbH in Deutschland gegründet. „Da die essbaren Löffel so gut in Indien ankamen, wurde das Projekt auch auf Europa ausgeweitet; denn der hohe Plastikverbrauch ist nicht nur in Indien ein Problem“, sagt Juliane Schöning, die sich um den Vertrieb in Deutschland kümmert. Auch das Team von Kulero legt Wert auf eine ressourcenschonende Herstellung, die sozial und klimaneutral ist. Die essbaren Löffel von Kulero bestehen ebenfalls aus natürlichen Zutaten. Verwendet werden verschiedene Mehlsorten aus Getreide und Hülsenfrüchten, Salz, Wasser, Gewürzen, Kräutern oder Kakao. Der Teig wird dann in speziellen Löffelformen gebacken. Die Löffel halten gleichfalls 30 Minuten in heißen Speisen und Flüssigkeiten und bis zu 60 Minuten in kalten Speisen. Kulero bietet bei den Ess-Löffeln die Sorten Kakao, Klassik, Masala und Pfeffer, und Dessert- und Eislöffel in den Sorten Kakao und Klassik an. Allerdings beeinflusst der Löffel nicht den Geschmack des Essens oder der Getränke. Produziert werden kann das Besteck im 7-stelligen Bereich. Der Eislöffel kostet pro Stück 5 Cent, der Dessertlöffel 8 Cent bei Mindestabnahme von jeweils 1000 Stück und der Esslöffel 11 Cent bei einer Mindestmenge von 600 Stück. Seit September 2020 sind die Produkte auch in den ersten REWE- und EDEKA-Filialen zu finden und somit auch für Endverbraucher*innen erhältlich. Ab Frühjahr 2021 wird es außerdem die ersten Produkte in Bio-Quälität geben.
www.kulero.de

Spoontainable


Kakao mal anders: Die leckeren essbaren Löffel von Spoontainable

Mit nur 23 Jahren haben Julia Piechotta und Amelie Vermeer 2018 das Start-up Spoontainable,  gegründet – ein Wortspiel aus „spoon“ (Löffel) und „sustainable“ (nachhaltig). Angefangen haben sie während ihres Studiums in Stuttgart mit einer Crowdfunding-Kampagne. Ausgeguckt für Ihren Kampf gegen Plastik haben sie sich aus dem Meer an Einmalplastik die ganz kleinen Vertreter dieser Zeit: Plastikeislöffel. Sie sorgen allein in Deutschland mit rund 360 Millionen Stück pro Jahr für jede Menge Plastikmüll. Gleichzeitig fallen auch tonnenweise ungenutzte, organische Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung an. So wie Haferfasern, die sogenannte Haferspelze, oder die Fasern der Kakaoschale, die bei der Herstellung von Schokolade übrig bleiben. Beide „Abfallprodukte“ verarbeitet Spoontainable zu nachhaltigen und essbaren Eislöffeln. Statt Plastik wird zum Eis oder Dessert to go eine Art gehärteter Keks gereicht, der danach gegessen werden kann. „Aber selbst wenn nicht, dann kann er bedenkenlos weggeschmissen werden, weil er zu hundert Prozent aus Reststoffen der Getreide- oder Lebensmittelindustrie besteht“, erklärt Vermeer. Bei dem Verfahren, das der Lieferant anwendet, bleiben Vitamine und Ballaststoffe erhalten. „Unsere Spoonies sind wirklich zum Snacken geeignet. Die Rezeptur ist vegan und es schmeckt fast wie ein Keks.“ Mittlerweile hat spoontainable schon über zwei Millionen Löffel verkauft und kann eine halbe Million Löffel innerhalb vier Stunden herstellen lassen. Der Löffel kostet zwischen vier und sieben Cent, wobei 20 Kartons à 500 Löffel Mindestabnahme sind. Die Mindesthaltbarkeit ist 11 Monate. Auch die Eislöffel von Spoontainable sind bis zu 60 Minuten stabil in Eis und Dessert und schmilzen auch bei warmen Temperaturen nicht. In diesem Jahr sollen auch Pommesgabeln und möglicherweise Einweg-Kaffeestäbchen auf den Markt kommen. Die Besteckalternativen tragen das Green Brand Gütesiegel für nachhaltige Produkte und sind Greentable-Mitglied.
www.spoontainable.com

Text: Antje Urban; Fotos: Hersteller

 

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